Archive für Beiträge mit Schlagwort: venture capital

Mit der AppInvest habe ich zusammen mit meiner AppAdvisors Geschäftspartnerin Kira Nezu (ehem. Song) und Ihrem Mann Yukitaka Nezu eine Investmentgesellschaft gegründet, die Direktinvestitionen in die App Economy ermöglicht.
 

AppInvest-Logo

Aus unserer Arbeit mit AppAdvisors haben wir verstärkt Interesse an Investitionen in die Mobilbranche festgestellt. Ausser dem kauf klassischer Aktien einzelner Unternehmen der Mobilfunkindustrie gibt es keine direkten Investitionsmöglichkeiten in diesen Bereich.

Eine Investmentgesellschaft gründet sich natürlich nicht so leicht, wie ein typisches Start-up – der Umgang mit dem Geld Dritter erfordert eine spezielle Expertise und am besten auch langjährige Erfahrung. Beides bringt Yukitaka Nezu mit, der bis vor kurzem noch Investment Manager beim Private Equity Arm der Allianz, Allianz Capital Partners, gewesen ist. Yukitaka bringt ein tiefes Verständnis für Investoren in einer Investmentgesellschaft - sog. Limited Partners – sowie für den gesamten Prozess der Strukturierung und Durchführung von Finanztransaktionen mit. Im Vergleich zu ACP spielen sich bei AppInvest alle Transaktionen hinsichtlich der Volumina auf einem deutlich niedrigeren Niveau ab. Die strukturellen Aspekte jedoch gleichen sich, und hier profitieren AppInvest Investoren von Yukitakas reichhaltiger Erfahrung auf der einen und der eingebrachten Expertise seitens AppAdvisors auf der anderen Seite.

AppInvest investiert in Apps sowie in Produkte und Services, die auf Apps basieren. Unser Fokus liegt dabei auf den Branchen

  • Bildung
  • Medien
  • Gesundheit und 
  • eCommerce.

Interessierte Investoren sollten Expertise aus mindestens einer dieser Branchen mitbringen. Unser Anspruch beinhaltet neben der Zurverfügungstellung von Kapital eine enge inhaltliche Begleitung der Start-ups, die beim Aufbau des Geschäfts hilfreich ist. Diese fachliche Unterstützung nehmen wir sehr ernst und untermauern diesen Anspruch mit entsprechenden konkreten Vereinbarungen, die wir mit unseren Unternehmen treffen.

Die Gespräche mit ersten Start-up Teams laufen bereits vielversprechend an. Wir haben bereits hochinteressante Apps und App Services gesehen und sind mit einigen Gründern bereits in fortgeschrittenen Stadien. In dieser Pahse der Zusammenrabeit mit Start-ups leisten wir uns einen Luxus, den wir hhoffentlich nie aufgeben müssen: wir investieren viel Zeit in die Beschäftigung mit jedem einzelnen  App-Projekt. Das ist anstrengend – für uns, aber auch auch für die Gründerteams, die neben dem Geschäftsaufbau auch noch die Fragen der AppInvest Partner beantworten müssen. Lernen tun allerdings beide Seiten daraus – selbst, wenn es gar nicht zu einer Investion kommt. 

Wir freuen uns auf spannende Apps und auf Apps basierende Geschäftsmodelle und freuen uns, gemeinsam mit unseren Investoren am Wachstum der Mobilbranche optimal partizipieren zu können.

Interview mit Yukitaka Nezu auf mobilbranche.de

Appnation 

Appnation Conference, Sep 13-14, 2010, San Francisco

Mit der Appnation Conference fand diese Woche das erste Event überhaupt statt, das sich ausschließlich um das Thema Apps drehte. „Show me the money!“, „Wo sind die Umsatzpotentiale?“ lautete das Motto der zweitägigen Veranstaltung, die sich dementsprechend weniger um die technischen Aspekte von Apps, sondern hauptsächlich um deren Vermarktung und Einsatz als Marketinginstrument drehte.




Interview mit Drew Ianni, Founder Appnation Conference

Hochkarätige Vertreter aus Venture Capital Gesellschaften aus dem Silicon Valley, Medienunternehmen wie Disney-ABC und Marvel, Netzbetreibern wie Comcast und Verizon, Marketingagenturen wie Interbrand, aber auch der Old Economy zugehörigen Unternehmen wie VISA oder GE diskutierten die Geschäftsmodelle der App Economy.

Drei große Themenbereiche dominieren die Panels:

(1) Welche Rollen werden die unterschiedlichen mobilen Plattformen wie Apples iOS, Googles Android, Blackberrys Appworld, Nokias Ovi und andere zukünftig spielen und wer bekommt welches Stück vom Umsatzkuchen ab?

(2) Welche Geschäftsmodelle bieten die größten Umsatzpotentiale: sind es Werbung, Abo- oder sogenannte Freemium-Modelle, Micropayments oder muss für Apps gar eine neue Art der Umsatzgenerierung gefunden werden?

(3) Wie müssen Apps beschaffen sein, dass sich mit ihnen zumindest eines der genannten Geschäftsmodelle verwirklichen lässt?

Igor
Kira Song @appstorytv mit Igor Pusenjak, LimaSky / DoodleJump

Antworten auf diese Fragen sind naturgemäß nicht eindimensional – dennoch ergaben sich aus den Panels, den Diskussionen im Teilnehmerkreis und den von uns geführten Interviews mit Keynote Speakers relativ klare Antworten:

Ad (1): Alle Teilnehmer sind sich einig, dass Apples iOS aufgrund seiner Geschlossenheit zur Zeit die einzige Plattform ist, die Partnern wie App-Entwicklern und Inhalteanbietern wie Disney oder Marvel eine verlässliche Geschäftsgrundlage bietet. Der einzige relevante Wettbewerber Google stellt mit dem Android Market keine Alternative dar, für Entwickler aufgrund des hohen Anteils kostenloser Apps, für Inhalteanbieter aufgrund fehlender Standards hinsichtlich technischer und inhaltlicher Sicherheit.

Die Frage der zukünftigen Relevanz von Android konnte nicht eindeutig beantwortet werden: liegt Googles mobiles Betriebssystem hinsichtlich der Anzahl in Benutzung befindlicher Geräte bereits vorn, skeptisch zeigten sich die Teilnehmer jedoch, ob sich die Schwachstellen des Marketplace in absehbarer Zeit beheben lassen. Möglicherweise – so hieß es – muss der Android Market von Grund auf neu konzipiert werden, bevor er zu einer ernsthaften Alternative zum iTunes Store werden kann.

Mmccue
Mark McCue, CEO Flipboard

Ad (2): Die Frage nach den erfolgreichen Geschäftsmodellen in der App Economy wurde weniger eindeutig beantwortet, als die nach der erfolgreichsten Plattform. Alle Teilnehmer glauben an den Erfolg von Freemium-Modellen, also Services oder Inhalte, die zu einem gewissen Anteil kostenlos angeboten werden, deren aufwendigere Funktionen bzw. vollständigen Inhalte jedoch kostenpflichtig sind. Auch werden Abonnements als zukunftsträchtig angesehen, schon allein deswegen, da Apps mit einer geringen Nutzungsdauer von durchschnittlich 3 Monaten sich nicht als Umsatzbringer eignen, wenn sie lediglich einmalig gekauft werden. Hier ist die Bindung des Nutzers an die App gefragt, damit er regelmäßig zurückkommt, um Inhalte oder neue Funktionalitäten hinzuzukaufen.




Matt Murphy, Manager iFund & Partner KPCB

Als erfolgversprechend gelten auch Service-Konzepte, die den Marktteilnehmern in der App Economy bei der Ausübung ihrer Funktionen helfen: analog zum Goldrausch, bei dem zum einen diejenigen seltenen Glückspilze verdienen, die große Goldvorräte finden, und zum anderen alle die, die Hilfsmittel wie Spaten, Schaufel und Hacke zur Verfügung stellen, können in der App Economy beispielsweise Unternehmen reüssieren, die Nutzern bessere Möglichkeiten bei der Wahl ihrer Apps bieten, oder die Marktteilnehmer mit Datenmaterial zur App Economy bedienen.

Ob allerdings der ansonsten im Online-Bereich mit Abstand größte Umsatzlieferant – die Werbung – ihrer Rolle auch in der App Economy gerecht werden kann – dazu gingen die Meinungen auseinander: während die Inhalteanbieter stark auf Werbeerlöse setzen, da sie dies aus dem angestammten Online-Geschäft kennen, sind Investoren auf der einen wie Werbetreibende auf der anderen Seite skeptisch, ob in absehbarer Zeit eine ausreichend große Anzahl an Nutzern über Apps angesprochen werden kann: aufgrund der starken Fragmentierung der Betriebssysteme sowie der Endgeräte müssen Apps den unterschiedlichsten Bedingungen angepasst und gerecht werden, um plattform- und geräteübergreifend eingesetzt werden zu können. Da dies sehr kostenintensiv ist, sind viele Apps lediglich für kleine Nutzergruppen verfügbar. An dieser Stelle wird eine Konsolidierung auf Plattform – wie Geräteseite geradezu herbeigesehnt – die, wenn sie einträte, den Wettbewerb in den entsprechenden Bereichen verringern und zu höheren Preisen für die Konsumenten führen würde.

VC
Moderator: Simon Khalaf (CEO, Flurry)
Matt Murphy (Manager iFund / KPCB), Gaurav Garg (Sequoia Capital), Rich Wong (Accel Partners)

Ad (3): Während bei der Bewertung der verschiedenen Geschäftsmodelle Uneinigkeit besteht, ist die Antwort der appnation conference Teilnehmer auf die Frage nach den Anforderungen an erfolgreiche Apps eindeutig: „Show me apps which solve business problems!“ – „Entwickeln Sie Apps, die Unternehmen bei der Lösung von Problemen helfen!“ – so bringt der Digital Media Verantwortliche des Elektronikkonzerns General Electric die Sichtweise der Teilnehmer auf den Punkt: Apps, die es Unternehmen ermöglichen, mehr Umsatz zu erlösen, den Umsatz besser zu steuern oder direkten Kontakt mit ihren Kunden aufzunehmen und zu pflegen, werden erfolgreich am Markt platziert werden können. Wenn diese Voraussetzungen vorhanden sind, ist auch die Frage nach dem Geschäftsmodell zweitrangig: Problemlöser werden immer von allen Marktteilnehmern unterstützt und schöpfen ihre Erlöspotentiale von selbst aus.




Interview mit Sharon Wienbar, Scale Venture Partners

Mein Fazit der appnation conference:

1. Für Geschäfte in der App Economy ist der Apple’s iOS mit dem iTunes Store auf absehbare Sicht erste Wahl.
2. Freemium-Geschäftsmodelle bieten die wahrscheinlichsten Erlösströme.
3. Die „discoverability“ und die „recommendation“ sind diejenigen Aufgaben, die erfolgreiche Apps lösen.

 


During the San Francisco Web 2.0 Summit 2009 I had the opportunity to chat with Seesmic Founder and Le Web organizer Loic Le Meur. As a Frenchman turned Californian he knows both the US and European perspective of venture capital and starting companies. His general advice to entrepreneurs: „Get your product out as fast as possible. Even if it’s buggy – there will be feedback – and that helps you to get traction.“

Many thanks to Marcus Schuler and Richard Gutjahr for helping to produce the first professionally made „Auf einen Espresso“!

Heute stolperte ich via Keith über einen interessanten Artikel von Venture Capitalist Fred Wilson.

Kurz zusammengefasst sagt Fred, dass das VC-Geschäft rein mathematisch betrachtet nicht funktionieren kann. Daselbst einer der bekannteren US-VCs dürfte er mit dieser Aussage – gelinde ausgedrückt – für Aufmerksamkeit sorgen. Wie aber kommt er dazu?

In den USA werden jährlich etwa 25 Milliarden Dollar in Venture Capital Fonds angelegt. Damit sich Risikokapital für institutionelle Investoren rechnet, muss das eingesetzte Kapital inklusive der Kosten (Verwaltung, Erfolgsprämie) in etwa 3-facher Höhe – dies sind dann 75 Milliarden zurückgezahlt werden. 

Ein typischer US-VC hält – positiv gerechnet – 20% der Anteile an seinen Portfoliounternehmen. Das bedeutet, dass die 75 Milliarden zurückgezahltes Kapital aus einer Gesamtsumme von 375 Milliarden Umsatz aus Exits resultieren müsste. Allerdings besitzen die VCs zum Zeitpunkt des Exits oft einen deutliche höheren Anteil am Unternehmen – geschätzt etwa 50%. Dies resultiert dann in einem Exitvolumen von rund 150 Milliarden Dollar.

Fred nimmt weiterhin an, dass in den USA rund 1.000 VC-getriggerte Unternehmensverkäufe stattfinden und dass der grösste von ihnen 5% des Gesamtvolumens bzw. 5 Milliarden Dollar entspricht, während die meisten anderen (95%) nach dem Potenzgesetz signifikant kleiner sind.  

Womit wir beim VC-Problem angelangt sind: Es sind 150 Milliarden Dollar an Exits jährlich vonnöten – in der Realität sind dies jedoch nur 100 Milliarden. Diese 100 Milliarden resultieren in etw 50 Milliarden VC-Anteilen – abzüglich Kosten und Erfolgsprämie verbleiben 40 Milliarden. 40 Milliarden wiederum entsprechen nur etwa dem 1,6-fachen des eingesetzten Kapitals von 25 Milliarden. Bei einer angenommenen Investitionsdauer von 5 Jahren entspricht die einer Rendite von 10%.

In Zeiten der Wirtschaftskrise wäre dies fantastisch, nur momentan ist auch das VC-Geschäft betroffen. Nur insgesamt rechnet sich das VC-Geschäft nicht. Daher geht Fred davon aus, dass sich mittelfristig grössere institutionelle Investoren aus dieser Anlageklasse verabschieden werden. Dis ist eine euphemistische Beschreibung dessen, dass der Start-up Markt ausgetrocknet wird.

Freds Beitrag wurde und wird intensiv diskutiert – seine Bierdeckel -Mathematik ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Und obwohl der weltweit führende (deutsche) Bierdeckel-Hersteller Insolvenz Ende April angemeldet hat, heisst dies nicht, dass Bierdeckel-Rechnungen falsch sind 😉

Sand hill

In Germany there are 4 (four) VC companies with considerable funds within the range of EUR 100 million or above. Taking into account that Germany is one of the biggest economies worldwide this fact is a shortcoming, to say the least. 

Why is that?

One possible answer you’ll find watching this talk with Marc Andreessen. Marc describes the „American Way of funding a Start-up“ as „fund it, scale it, and then look for a business model“. Now – call a German VC, show him your powerpoint and explain the Andreessen strategy to him. Or quote Facebook’s Peter Thiel by saying: „We’re also focused on getting the product right,“ says Thiel. „Getting ads right—that’s not the top user demand.“ Unless you aren’t Marc or Peter himself or you have sold a company successfully before – the VC will throw you out.

In other words: invent the next facebook or twitter (don’t take this literally – I mean the next big thing) and no single German VC will fund you – promised. Maybe it’s unfair to limit this to German VCs – the reason for Loic LeMeur with Seesmic to move from Paris to San Francisco or Jajah to move from Austria to Silicon Valley were the same – they felt having scalable businesses – but they lacked a business model at that period. This did not prevent US-VCs from funding.

Haven’t European VCs read Talib’s Black Swan? Do they think inside the box – are they trapped in induction? Is there a lack of vision? Or is it – plainly spoken – too risky to invest into a facebook or twitter in its first months?  

Screenshot_05 Von Dienstag bis zum gestrigen Donnerstag habe ich die Web 2.0 Expo in Berlin besucht. Veranstalter dieser Konferenz ist O’Reilly Media, ein Unternehmen von Tim ‚Reilly, der als Schöpfer bzw. Vater des Begriffes Web 2.0 gilt.

Im Unterschied zur letztjährigen Web 2.0 Expo und ihrer etwas mondäneren Pariser Schwester LeWeb finden dieses Jahr beide Veranstaltungen unter dem extrem schlechten Vorzeichen der weltweiten Finanzkrise statt. Seit einigen Jahren sich entwickelnd, seit Monaten bekannt und seit Wochen konkret Start-ups beeinflussend, besteht meines Erachtens kein Zweifel daran, dass die Subprime Crisis viele (deutsche) Start-ups vom Markt fegen wird.

Geschrieben wurde schon viel und früh über den Einfluss der Krise auf die Venture Capital Unternehmen und Unternehmensgründer – aber eigene Erfahrungen sind doch immer ein bisschen konkreter und verdeutlichen das Ausmass eines Problems besser: Während der Web 2.0 Expo habe ich von zwei Start-ups erfahren, dass „sichere“ Finanzierungsrunden in letzter Minute (d.h. einen Tag vor dem entscheidenden Notartermin) abgeblasen wurden. In einem weiteren Fall ist die Anschlussfinanzierung geplatzt. Die Konsequenz: sofortige Entlassungen von zwei respektive vier Mitarbeitern.

Screenshot_06

Von Venture Capital Seite kamen die üblichen Botschaften, wie: „Venture Capital ist in Europa mehr als reichlich vorhanden“, „Der kluge VC investiert in schwierigen Phasen“ und „Stellen Sie Produkte oder Dienstleistungen her, die potentielle Kunden kaufen würden“. Platitüden Phrasen, die kaum ein realistisches Bild eines möglichen VC-Pitches abbilden werden. Lediglich Business Angel Rob Schiller brachte süffisanten Realismus in Spiel, als er auf die Frage: „Wie können Euch Gründer ansprechen?“ antwortete: „You cannot reach me. I won’t answer your email.“




Screenshot_07
Soweit, so wenig überraschend.

In Grübeln kommt der geneigte Konferenzbesucher jedoch beim Besuch des Pitchcamps, eines Workshops für Start-ups, die ihre Unternehmenskonzepte in 5-minütigen Auftritten präsentierten. Wenige der präsentierten Unternehmenskonzepte konnten selbst das Publikum überzeugen, ganz zu schweigen von den Juroren aus dem VC-Umfeld. Einige Gründer schienen schlecht vorbereitet zu sein bzw. waren überhaupt nicht in der Lage, ihre Botschaften verständlich rüberzubringen. Geradezu frustrierend wirkt es, wenn jetzt – wir erinnern uns: es gibt eine bedrohliche Finanzkrise – Konzepte vorgestellt wurden, bei denen der einzige USP darin bestehen solle, dass das Management Team besser sei als auf dem Markt agierende Wettbewerber.

So sehr die aus dem Unternehmerlager gelegentlich geäusserte Kritik an Venture Capital Unternehmen berechtigt zu sein scheint, so überrascht muss man sein, wenn von Gründern so wenig angeboten wird. Der von deutschen VCs gemeinhin geäusserte – und leichthin als Arroganz abzutuende – Satz: „9 von 10 eingesandten Businessplänen sind Schrott“ erscheint in einem neuen, nachvollziehbareren Licht.

Nun ist es immer sehr einfach, Kritik an anderen zu üben und sich selbst aussen vor zu lassen. Wir mit der YiGG GmbH hatten das Glück, eine zweite Finanzierungsrunde im Juni dieses Jahres abschliessen zu können, bei der unsere beiden bisherigen Investoren mitgezogen sind. Allerdings wurde auch diese Runde zu für uns Gründer schlechteren Bedingungen durchgeführt, als noch im März geplant. Das bedeutet u.a. dass wir innerhalb kürzerer Zeit den Break-Even erreichen müssen. Auf gut deutsch: Wir brauchen mehr Umsatz in weniger Zeit bei niedrigeren Kosten. Neben der Tatsache, dass dieses sog. Minimax-Ziel in der Betriebswirtschaftslehre als unrealistisch angesehen wird, ist es eine sportliche Herausforderung für uns. D.h. selbst mit einer zweiten Finanzierungsrunde im Rücken, ist die Zukunft eines Start-ups momentan alles andere als gesichert. Leider wird dies nur selten explizit gesagt – viele Gründer verstecken sich hinter nebulösen Formulieren oder wollen es sich nicht eingestehen, dass es kurz vor zwölf ist.

Und jetzt?

Da ich das Pech Glück hatte, den Dotcom-Tod in den Jahren 2001-02 hautnah mitzuerleben, bedeutet die aktuelle Finanzkrise für mich persönlich – und damit auch ein gutes Stück für YiGG: immer, wenn man denkt, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann, irrt man. Deshalb sollte jeder Gründer m.E. versuchen, eine der folgenden Lösungen für sein Unternehmen innerhalb der nächsten 3-6 Monate zu finden:
– Verkauf
– Integration in einen strategischen Partner (Teilverkauf)
– Kooperation mit (strategischem) Partner
– Bootstrapping (Kostenbasis (wieder) auf ungefähr 0 Euro bringen

Die schönen Zeiten für Start-ups sind bis auf weiteres vorbei. Weder werden die VCs nennenswert Geld investieren, noch wird Unternehmertum „in“ sein. Daher sollte man als positiv eingestellter Unternehmer einen der o.g. Punkte beherzigen, während der Zyniker analog zum ehemaligen dotcomtod.com eine webzweinulltod.com aufmachen dürfte. So, wie nach 2002 das Internet nicht tot war, wird auch nach 2009 Web 2.0 nicht tot sein, sondern einen immer grösser werdenden Anteil des Internet ausmachen. Lasst uns dabei sein!

Alle Bilder: Saul Klein, Index Ventures

Gestern abend durfte ich zu Gast beim Dinner der German Tech Tour sein. Die Tech Tour ist eine in einigen europäischen Ländern stattfindende Veranstaltung von für und mit Venture Capitalists, an der auch Start-Ups teilnehmen dürfen. Über 200 junge Unternehmen hatten ihre Business Pläne eingereicht und wurden von einem Juroren-Team unter der Leitung von James Hook einer strengen Prüfung unterzogen. 25 ausgewählte Unternehmen dürfen sich heute in München und Berlin der versammelten VC-Szene vorstellen.

Das Dinner fand im Kaisersaal der Münchner Residenz statt – eine etwas schwülstige aber durchaus beeindruckende Location. Wie immer, gab es vor dem sehnsüchtig erwarteten Essen einige Reden, die erfreulich kurz gehalten waren und – wie im Falle des für den leider verhinderten Bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein eingesprungenen Vertreters des Freistaates Bayern – zu einiger Belustigung an den Tischen führten. Das Essen wurde von Dallmayr gereicht, der Weisswein war angenehm kühl und passte gut zum Geflügel.

Vor dem Hauptgang kam der eigentliche Höhepunkt des Abends: Der ehemalige ACG-Gründer und Investor Dr. Cornelius (Conny) Boersch erheiterte die Anwesenden mit einer launigen Rede, die in Statements wie „My investment strategy is fast, superficial and opportunistic“ und „Investing is luck“ gipfelte. Derlei Aussagen durften die versammelten VCs natürlich nicht zustimmen, denn aus deren Perspektive ist Investieren ein professionell gemanagter Prozess, der zielgerichtet zum Erfolg führt. Irgendwo in der Mitte wird wohl die Wahrheit liegen – hier möge sich jeder selbst ein Urteil bilden. Dazu habe ich ein nettes Gespräch mit Andreas Demleitner von Baytech Venture Capital, München, (Investor in YiGG) und Max Niederhofer von Atlas Venture, London, geführt.

Nach dem Dessert (die Crème Brulée wurde händisch mit Bunsenbrenner zubereitet) waren dann alle ganz erstaunt, dass es schon Mitternacht war und man sich langsam auf die Präsentationen der 25 Start-Up am nächsten Tag durch ein wenig Schlaf vorbereiten wollte.

%d Bloggern gefällt das: